Trainingsgruppe Marathon

SV Mühlbach

Oberelbemarathon am 27.04.2008

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42195 Meter – Ist das viel oder wenig? Wo liegt der Reiz! Was ist die Faszination, die Tausende bewegt, treibt, ja voranpeitscht? Du läufst und läufst und dann hat es dich gepackt! Und Du willst es auch!

Du machst dich schlau, liest Beiträge und Erlebnisberichte – lange und kurze. Alle fachten den Funken in dir an und du beginnst zu brennen, zu lodern.

2006 wollte ich als Hobbyläufer, der gut 10 km am Stück in wöchentlicher Regelmässigkeit zwei bis dreimal abspulte, den Schritt wagen! Aber es kam ein Bänderriss beim Volleyball dazwischen.

War das die „1. Lektion“ auf dem Weg der „Erkenntnisse“? (Gestatte mir, der du dies liest, meine Erfahrungen dir mitzuteilen.) Du kommst auch in einem normalen Tempo von A nach B! ((Jeder muss wohl, schon was mit Knien, Knöcheln, Bänder und dergleichen mehr gehabt haben. Komisch, dass die Menschheit überhaupt aufrecht gehen kann !?))

2007 begann ich mit meinen Vorbereitungen schon in der Vorweihnachtszeit. Lange ausgedehnte Läufe wechselte ich mit Crosseinlagen ab und vergaß dabei nicht die Intervalleinheiten. Kleine Erkältungen wischte ich regelrecht zur Seite und lief weiter und weiter, bis ich umfiel und eine totale Erkältung all meine Vorbereitungen zunichte machten. Ich war am Boden zerstört! Sollte alles Umsonst gewesen sein? Nein, denn ich hatte wieder eine Lektion erhalten. „2. Lektion“ – Habe Geduld und höre auf deinen Körper, auf dein Inneres!

2008 kaufte ich mir ein Buch von Steffny über das Marathontraining. Ich hielt Ausschau nach einem Lauf für mich. Ich wollte eine möglichst kurze Anfahrt und die Laufstrecke sollte mir bekannt sein. Nicht einfach bei dem Riesenangebot an Läufen. Meine Wahl – Oberelbemarathon!

Die Vorbereitung begann, denn ich wollte vor meinem 50. in zwei Jahren einen Marathon bestreiten. Mein Ziel war fester denn je fixiert. Lacht mich nicht aus, ich schaute mir die Bilder des letzten Jahres an und versuchte mich schon beim Zieleinlauf zu sehen. „ 3. Lektion“ – lege dein Ziel fest und mache es dir mit allen Mitteln Bewusst!

Meine Vorbereitungen sollten auch bewusster sein:

    • 1. mental – Bücher, Bilder, Gespräche
    • 2. welche Umstellungen finden in meinem Körper statt
    • 3. Nutzung eines festen Trainingsplanes
    • 4. solide technische Ausstattung
    • 5. Familie, die stärkt und Freunde, die helfen

Ende Dezember und in den Januar hinein begann ich Kilometer zu sammeln. Es kitzelte gewaltig in mir, denn ich fühlte mich Top und wollte laufen, laufen und laufen. Dem Reiz nicht zu schnell und für den Anfang zu weite Strecken in Angriff zu nehmen war gross. Ich hielt mich gewaltig zurück.

Ich fieberte nun dem „Start“ in die heisse Phase entgegen. Entsprechend „meines Planes“ ging es letze Woche Februar los und das viermal die Woche. Nicht einfach für Normalos, die nicht nur 8 Stunden täglich arbeiten.

Am späten Nachmittag dunkelte es bereits und nach dem Abendbrot in Familie, fällt es schon schwer noch mal in die Laufschuh zu schlüpfen. Jedes Wochenende machte ich Läufe. Samstags vor der Sauna machte ich meinen Stundenlauf und Sonntags den langen Dauerlauf. Das war auch der „LANGE“ für die Familie. Es brauchte schon ein grosses Maß an Verständnis von meiner Frau, denn ich tanzte Nachmittags nicht mehr um die Kaffeetafel. Meine Tochter brachte ihrem Unmut über meine Rennerei offener zum Ausdruck. Der Punkt für mich war halt, die Familie teilhaben zu lassen. So ließ ich mich mal nach einem Spaziergang aussetzen oder ich lief die 19 km von meinen Schwiegereltern nach Hause. Es gibt also Varianten für alle Situationen.

Das Pensum der Läufe steigerte sich von Woche zu Woche. Mein Körpergewicht schmolz dahin und ich grübelte schon über den Endzustand. Ein Gespräch mit unserem Saunachef Sebastian machte mir bewusst, was für Energie beim langen Lauf verheizt wird. Ehrlich diesen Fakt unterschätzte ich bisher total. Trinken und Essen war fortan bei langen Läufen dabei. Eine weiter Schwierigkeit zeigte sich nun bei der „orthopädischen“ Abhärtung! Knie und Gelenke wollten an die Belastungen gewöhnt werden, dabei offenbarte sich mein verheilter Bänderriss als schwaches Glied. Hilfe von Außen wurde nötig. Meine Physiotherapeutin half mir mit „Tapen“. Eine prima Sache , die meine Gelenkschmerzen beseitigte und meine Muskeln festigte.

Es war ein Hoch- aber auch Tief– Gefühl, was ich in dieser Zeit lebte. Einmal hatte ich Flügel, konnte vor Leichtigkeit kaum die Füße auf die Erde bringen, ein andermal ließen hunderte Zentner auf meinen Schultern mich regelrecht verzweifeln. Hier möchte ich nur noch bemerken: „ Mach los und lebe es!“

Der 27. April war da! Heiss von mir ersehnt und doch mit Respekt gefürchtet. Ich hatte auch Angst, Angst zu versagen, aufgeben zu müssen. Die Vorbereitung war lang und hat allen viel abgefordert. Auch wussten ja viele von meinem Start, so dass auch hier Erfolgsdruck aufgebaut wurde. Was mir sehr viel gegeben hat, waren die echten guten Wünsche meiner Freunde. Diese guten Energien sollten mich tragen!

Meine Aufregung war gross und die Freude mitten im Startgetümmel Läufer aus Frankenberg zu treffen!

Und dann ging es mit lautem Knall und dem Dröhnen der Schiffssirene eines Elbdampfers los – alle liefen einfach los, mit einer riesigen guten Stimmung und einem Potential an Kraft! Es machte mich überglücklich hier dabeizusein!

Alles ruhig angehen hat mir meine Frau immer wieder eingeschärft! Ja aber es überholten mich hunderte, ja ich glaubte Tausende und jeder sprach davon zu schnell zu sein. Die Zeitkontrolle ist mir dank der sehr guten Streckenmarkierung prima gelungen. Ich lief locker mein Tempo und nahm an jedem Verpflegungspunkt ausreichend Getränke und Obst zu mir.

Toll fand ich auch die netten Gespräche mit den Damen des Marathonstammtisches vom Rein, dem Lauffreund aus Stuttgart, den Leuten vom Panzerbataillon , der Lauffreundin, die von ihrem Mann so toll betreut wurde.

Die Zeit verging wie im Flug, dazu noch dies einmalige Naturerlebnis ELBE! Gewaltig!

Gewaltig für mich auch meine Frage am Kilometer 35, ob es auch der fünfunddreissigste Kilometer sei! So weit war ich noch nie gelaufen! War die Schallmauer durchbrochen? Es ging mir richtig gut und diese Stimmung wurde von den Sambagruppen an der Strecke noch angeheizt!

Am „Blauen Wunder“ konnte ich mir die Worte meiner Großmutter nicht verkneifen, dass ich selbiges noch erleben werde. Einigen in meinem Laufpulk fiel das Lachen da schon ziemlich schwer.

Ich fühlte mich prächtig an diesem Punkt und forcierte mein Tempo. Aber nach kurzer Zeit, merkte ich, die Strecke hat ihren Tribut gefordert! Meine Beine waren sehr schwer. Ich musste einfach trinken, der „Tank“ wurde leer. Das tolle an OBERELBE - alles kein Problem dank der gut verteilten Verpflegungspunkte.

Nach kurzer Zeit hatte ich mich wieder gefangen und mein Tempo gefunden.

Hurra, jubelte es in mir als ich den Tresen mit Radeberger erreichte! Voller Genuss nahm ich einen guten Schluck und meine Beine flogen regelrecht. Dresden war erreicht! Ich konnte es eigentlich noch nicht fassen. Tausende Gedanken schossen durch meinen Kopf. Es war geschafft! Im Stadion lief ich mit meiner Tochter über die Ziellinie. Ich war überglücklich!  Ein Hochgefühl, diese 42195 Meter geschafft zu haben.

Ohne wieder von Lektionen anzufangen – ich war und bin einfach dankbar.

Ich sage DANKE – meiner Familie, meinen Freunden, allen, die mich begleitet habe, dem Veranstalter dieses grossartigen Laufes, allen Helfern an der Strecke!

Einfach D A N K E  !

Jens

 

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